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Montessori-Pädagogik und empirische Forschung

22 Juli 2012 No Comment

Montessori-Pädagogik und empirische Forschung passt nicht zusammen? Nein – ganz im Gegenteil. Auch Maria Montessori selbst beschäftigte sich, ganz dem um 1900 aufkeimenden Zeitgeist des Naturalismus verschrieben, mit der messbaren empirischen Forschung.

Ihre Abhandlung „Der Einfluss von familiären Verhältnissen für das intellektuelle Niveau von Schülern – Forschung zur pädagogischen Hygiene und Anthropologie im Bezug zur Erziehung“ basiert auf empirischen Studien der Ärztin, Pädagogin und Wissenschaftlerin. Nach und nach werden die rein medizinisch-naturwissenschaftliche Sicht der Ärztin und die empirischen Erkenntnisquellen allerdings durch philosophische Reflexionen und anderen Sichtweisen ergänzt: Das Konzept der „verstehenden Beobachtung des Kindes“ entsteht.

Wer für sein Kind heute die Montessori-Schule ins Auge fasst, stellt sich häufig die Frage, ob genügend Wissen vermittelt wird, damit der Schüler auch im späteren Studien- und Berufsleben bestehen kann. Bei empirischen Studien zur Montessori-Pädagogik in der Vergangenheit geht es meist um genau diese schulischen Leistungen in den Kernbereichen Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften.

Inzwischen gibt es eine Reihe empirischer Studien, die deutlich machen, dass die Leistungen der Montessori Schüler mit jenen aus traditionellen Schulen durchaus mithalten können: Diese sind mindestens ebenbürtig und in bestimmten Fächern wie Mathematik oder Naturwissenschaften sogar zum Teil besser.

Die Studie „VERA 2004“
Die Studie VERA wurde im Jahr 2004 an den vierten Klassen von Grundschulen in sieben Bundesländern in den Fächern Mathematik und Deutsch durchgeführt. In Nordrhein-Westfalen wurde die Schule an 12 Montessori-Grundschulen durchgeführt, die vorwiegend dem regulären staatlichen Schulwesen angehören, allerdings nach der Montessori-Pädagogik unterrichten.

Die Vergleichsstudie wurde in sieben Teilbereichen durchgeführt: Arithmetik, Geometrie, Sachrechnen sowie Rechtschreibung, Sprachbetrachtung, Schreiben und Lesen. Um verzerrende Faktoren wie beispielsweise die Anzahl der Kinder mit einer anderen Muttersprache als der deutschen Sprache auszugleichen, wurden jeweils vier Vergleichsgruppen gebildet – also jene Schüler mit sehr guten oder weniger guten Lernbedingungen wurden aufgeteilt. Das Ergebnis: Die Schüler der vierten Montessori-Grundschule waren den Schülern aus traditionellen Schulen leistungsmäßig überlegen. Besonders deutlich trat diese Überlegenheit im Fach Mathematik hervor.

Die Milwaukee-Studie
2005 wurde von Angeline Lillard und Nicole Else-Quest die US-amerikanische Studie „Evaluating Montessori Education“ durchgeführt. Dabei wurden die Leistungen von zwei Schülergruppen, die während der Jahre 1997 bis 2001 ihren Abschluss an der Milwaukee-Public Scool machten. Eine Gruppe war bis zu dem 5. Schuljahr an einer Montessori-Grundschule gewesen, die Schüler der anderen Gruppe besuchten eine reguläre Grundschule.

Alle beiden Gruppen absolvierten dann dieselbe Sekundarschule. Auch bei dieser Studie wurden Faktoren wie ethnische Zugehörigkeit und ökonomischer Hintergrund berücksichtigt. Das Ergebnis der Studie machte deutlich, dass die ehemaligen Montessori-Grundschüler auch noch an der Sekundarschule leistungsmäßige Vorteile mitbrachten – vor allem in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Die Studie wurde auch im renommierten Fachmagazin Science (SCIENCE 313, 29.09.2006: Lillard, Angeline G. und Else-Quest Nicole „THE EARLY YEARS: Evaluating Montessori Education“) veröffentlicht.

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